Anders als Silber sind Keramikmarken nicht gesetzlich geregelt. Jede Manufaktur wählte ein eigenes Symbol, änderte es über die Jahre, ergänzte Maler- und Modelleurinitialen — und kopierte gelegentlich einen Rivalen. Mit etwas Übung wird jedoch fast jede Manufaktur erkennbar.
Meissen (Deutschland)
Die gekreuzten Schwerter in Unterglasurkobalt sind die meistkopierte Marke der Keramik. Echte Meissen-Schwerter sind freihand gemalt, sitzen leicht schief und variieren in der Strichstärke. Ende 19. Jh. wurden Punkte, Sterne oder Striche für Perioden ergänzt; im 20. Jh. erscheint 'Meissen' oder 'Meissener Porzellan'.
Achten Sie auf die Knäufe: bei echtem Meissen rund, mit sichtbaren Pinselstrichen unter der Lupe, und das Blau blutet leicht in die Glasur. Perfekt geometrische oder zu scharfe Schwerter deuten auf Kopie.
Sèvres und Limoges (Frankreich)
Sèvres nutzte zwei ineinandergestellte L (für Louis) mit Datumsbuchstabe seit 1753. Die Marke wurde im 19. Jh. massiv kopiert — echtes frühes Sèvres ist Weichporzellan mit warmem Elfenbeinton, die Marke wurde vor dem Brand gemalt, nicht über die Glasur.
Limoges ist eine Region, keine Manufaktur. Suchen Sie den konkreten Hersteller: Haviland, Bernardaud, GDA, T&V Depose. 'Limoges France' allein ist bloß eine Herkunftsangabe. Der Wert liegt am Hersteller und an der Malersignatur.
Wedgwood und englische Keramik
Wedgwood wird vor dem Brand in den Ton gestempelt, nicht gedruckt. Ab 1860 enthält die Marke einen dreistelligen Buchstabencode, mit dem sich das exakte Jahr bestimmen lässt. 'Made in England' erscheint nach 1891, 'Bone China' etwa ab 1912.
Doulton, Royal Crown Derby, Minton und Spode besitzen gut dokumentierte Datumscodes. Eine aufwendige farbige Marke unter Glasur ist meist jünger als eine schlichte, eingestempelte in Schwarz oder Braun.
Delft und niederländische Fayence
'Delft' als Kategorie ist weit gefasst — das meiste Blau-Weiß, das man heute sieht, ist niederländisch oder deutsch aus dem 19./20. Jh., inspiriert von den Originalmanufakturen des 17. Jh. Echte alte Delft zeigt unregelmäßige Malerei, Brandfehler und eine kalkig anmutende Zinnglasur.
Der bekannteste moderne Hersteller ist Royal Delft (De Porceleyne Fles) mit stilisiertem Flaschenzeichen und römischer Jahreszahl. Ein Stück ab 1900 ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von dort.
Rosenthal, KPM und das 20. Jh. Deutschlands
Rosenthal nutzte Varianten aus Krone über gekreuzten Linien. Die Farbe der Marke hilft datieren — grün für erste Qualität, rot für zweite Wahl, blau für Manufakturdekoration.
KPM (Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin) verwendet das Zepter in Unterglasurblau plus roten oder blauen Reichsapfel. Allein die Marke deutet auf eine sehr sammelnswerte Manufaktur; mit Malersignatur steigt der Wert deutlich.
Studiokeramik und unmarkierte Arbeiten
Signierte Studiokeramik — Bernard Leach, Lucie Rie, Hans Coper — erzielt hohe Preise, häufig über eine dezente Initiale im Boden. Für eine sichere Zuordnung braucht es mehrere Fotos von Boden, Drehlinien, Glasur und Läufern.
Unmarkierte oder nur mit Initiale versehene Stücke sind häufig. Ohne Marke stützt sich AntiqID auf Form, Glasurchemie im Streiflicht und die Art des Drehens oder Formens. Ist die Belegkette dünn, sagt die App es — statt einen Hersteller zu erfinden.
Schnellreferenz
- Meissen: handgemalte gekreuzte Schwerter, leicht asymmetrisch
- Sèvres: verschlungene L mit Datumsbuchstabe, vor Brand gemalt
- Wedgwood: eingestempelt, dreistelliger Datumscode ab 1860
- Royal Delft: Flaschenmarke mit römischer Jahreszahl
- KPM: Zepter in Unterglasurblau plus roter/blauer Reichsapfel
- Rosenthal: Farbe der Krone zeigt Qualitätsstufe
Porzellanmarken mit AntiqID bestimmen
Marke fotografieren, AntiqID gleicht mit Fabrikkatalogen ab und nennt Hersteller, Epoche und Sammlerinteresse.
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