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Porzellan- und Keramik­marken — die Manufaktur bestimmen

Die häufigsten Marken europäischer und amerikanischer Keramik mit den Details, die eine Original­manufaktur­arbeit von einer späteren Wiederauflage trennen.

Veröffentlicht am · 2026-07-14 · 9 min Lesezeit

Anders als Silber sind Keramik­marken nicht gesetzlich geregelt. Jede Manufaktur wählte ein eigenes Symbol, änderte es über die Jahre, ergänzte Maler- und Modelleur­initialen — und kopierte gelegentlich einen Rivalen. Mit etwas Übung wird jedoch fast jede Manufaktur erkennbar.

Meissen (Deutschland)

Die gekreuzten Schwerter in Unterglasur­kobalt sind die meist­kopierte Marke der Keramik. Echte Meissen-Schwerter sind frei­hand gemalt, sitzen leicht schief und variieren in der Strichstärke. Ende 19. Jh. wurden Punkte, Sterne oder Striche für Perioden ergänzt; im 20. Jh. erscheint 'Meissen' oder 'Meissener Porzellan'.

Achten Sie auf die Knäufe: bei echtem Meissen rund, mit sichtbaren Pinselstrichen unter der Lupe, und das Blau blutet leicht in die Glasur. Perfekt geometrische oder zu scharfe Schwerter deuten auf Kopie.

Sèvres und Limoges (Frankreich)

Sèvres nutzte zwei ineinander­gestellte L (für Louis) mit Datums­buchstabe seit 1753. Die Marke wurde im 19. Jh. massiv kopiert — echtes frühes Sèvres ist Weichporzellan mit warmem Elfenbein­ton, die Marke wurde vor dem Brand gemalt, nicht über die Glasur.

Limoges ist eine Region, keine Manufaktur. Suchen Sie den konkreten Hersteller: Haviland, Bernardaud, GDA, T&V Depose. 'Limoges France' allein ist bloß eine Herkunftsangabe. Der Wert liegt am Hersteller und an der Maler­signatur.

Wedgwood und englische Keramik

Wedgwood wird vor dem Brand in den Ton gestempelt, nicht gedruckt. Ab 1860 enthält die Marke einen dreistelligen Buchstaben­code, mit dem sich das exakte Jahr bestimmen lässt. 'Made in England' erscheint nach 1891, 'Bone China' etwa ab 1912.

Doulton, Royal Crown Derby, Minton und Spode besitzen gut dokumentierte Datums­codes. Eine aufwendige farbige Marke unter Glasur ist meist jünger als eine schlichte, eingestempelte in Schwarz oder Braun.

Delft und niederländische Fayence

'Delft' als Kategorie ist weit gefasst — das meiste Blau-Weiß, das man heute sieht, ist niederländisch oder deutsch aus dem 19./20. Jh., inspiriert von den Original­manufakturen des 17. Jh. Echte alte Delft zeigt unregelmäßige Malerei, Brand­fehler und eine kalkig anmutende Zinn­glasur.

Der bekannteste moderne Hersteller ist Royal Delft (De Porceleyne Fles) mit stilisiertem Flaschen­zeichen und römischer Jahreszahl. Ein Stück ab 1900 ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von dort.

Rosenthal, KPM und das 20. Jh. Deutschlands

Rosenthal nutzte Varianten aus Krone über gekreuzten Linien. Die Farbe der Marke hilft datieren — grün für erste Qualität, rot für zweite Wahl, blau für Manufaktur­dekoration.

KPM (Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin) verwendet das Zepter in Unterglasur­blau plus roten oder blauen Reichs­apfel. Allein die Marke deutet auf eine sehr sammelnswerte Manufaktur; mit Maler­signatur steigt der Wert deutlich.

Studio­keramik und unmarkierte Arbeiten

Signierte Studio­keramik — Bernard Leach, Lucie Rie, Hans Coper — erzielt hohe Preise, häufig über eine dezente Initiale im Boden. Für eine sichere Zuordnung braucht es mehrere Fotos von Boden, Dreh­linien, Glasur und Läufern.

Unmarkierte oder nur mit Initiale versehene Stücke sind häufig. Ohne Marke stützt sich AntiqID auf Form, Glasur­chemie im Streiflicht und die Art des Drehens oder Formens. Ist die Belegkette dünn, sagt die App es — statt einen Hersteller zu erfinden.

Schnell­referenz

  • Meissen: hand­gemalte gekreuzte Schwerter, leicht asymmetrisch
  • Sèvres: verschlungene L mit Datums­buchstabe, vor Brand gemalt
  • Wedgwood: eingestempelt, dreistelliger Datumscode ab 1860
  • Royal Delft: Flaschen­marke mit römischer Jahreszahl
  • KPM: Zepter in Unterglasur­blau plus roter/blauer Reichs­apfel
  • Rosenthal: Farbe der Krone zeigt Qualitäts­stufe

Porzellan­marken mit AntiqID bestimmen

Marke fotografieren, AntiqID gleicht mit Fabrik­katalogen ab und nennt Hersteller, Epoche und Sammler­interesse.

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